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Written by

Anni Rosenberg

Last updated

October 20, 2026

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Zellenbüro, Großraumbüro oder Multispace? Der ehrliche Vergleich der Bürotypologien

Zellenbüro, Großraumbüro, Multispace! Jeder Bürotyp hat seine Tücken, die selten jemand im Vorfeld klar benennt. Der ehrliche Vergleich zeigt, welche räumliche Struktur zu welcher Arbeitsweise passt.

Zellenbüro, Großraumbüro oder Multispace?

‍Der ehrliche Vergleich der Bürotypologien
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Die drei gängigen Bürotypologien - Zellenstruktur, Großraumbüro und Multispace – unterscheiden sich vor allem darin, wie sie den Zielkonflikt zwischen Privatsphäre, Austausch und Flächenkosten lösen.
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Kein Typ ist per se der beste! Welcher passt, hängt davon ab, welchen Job das Büro für die tatsächliche Arbeitsweise erledigen soll. Jeder Typ verspricht etwas anderes und hat einen Preis (im Übertragenen Sinn), den selten jemand vorher beziffert.
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Warum die Typ-Entscheidung selten die erste sein sollte

Die Frage »Zellenbüro, Großraum oder Multispace?« fällt in den meisten Projekten viel zu früh. Sie wird mit Hilfe von einem Moodboard entschieden; an einem Referenzprojekt festgemacht, oder jemand aus der Geschäftsführung möchte das “einfach” so.

Das Problem dabei ist, dass diese Typologie kein Geschmacksurteil ist, sondern die räumliche Antwort auf die Frage, welche Aufgabe das Büro künftig für das Unternehmen übernehmen soll. Wer dieser Frage vorher nicht fundiert auf den Grund geht, entscheidet sich in Wahrheit nicht für eine Struktur, sondern gegen eine ehrliche Bestandsaufnahme.
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Der britische Architekt und Workplace-Forscher Frank Duffy hat schon in den 1990er-Jahren mit seinem Büro DEGW eine der einflussreichsten Systematiken für Bürotypologien entwickelt und dabei einen Grundsatz formuliert, der bis heute gilt:

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Es gibt keine per se beste Struktur, nur die passende oder unpassende für eine bestimmte Art zu arbeiten.

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Genau an diesem Maßstab lohnt es sich, die drei gängigsten Typen ehrlich zu messen, inklusive der Nachteile, die in Gesprächen gerne nur am Rand Erwähnung finden.
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Die Zellenstruktur – Rückzug mit hohem Preis

Feste Wände, abschließbare Türen, eine klare personenbezogene Zuordnung von Räumen. Die Zellenstruktur ist der vermeintlich älteste und in vielen Branchen noch immer weit verbreitetste Bürotyp. Oft entlang von Hierarchien gegliedert, ganz im Sinne von Einzelbüro für die Führungskraft, Zweierbüro für die Sachbearbeitung und einer kleinen Teeküche unter der Treppe.
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Der große Vorteil ist dabei unbestritten, denn kein anderes Modell bietet ein vergleichbares Maß an Privatsphäre und akustischer Abschirmung. Wer konzentriert arbeiten oder ein vertrauliches Gespräch führen muss, ist hier richtig.
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Der Preis dafür ist strukturell und offensichtlich, denn durch die räumliche Trennung blockiert sie den spontanen Informationsfluss, der in offeneren Strukturen beiläufig entsteht. Viele Innovationen und Problemlösungen entstehen nachweislich nicht in geplanten Meetings, sondern in ungeplanten Begegnungen von teamübergreifenden Mitarbeitenden.
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Ein Effekt, den Zellenstrukturen durch ihre Bauweise systematisch erschweren. Hinzu kommt heutzutage ein handfestes Flächenproblem. Viele Wände und Flure benötigen deutlich mehr Quadratmeter pro Person als offenere Konzepte, bei gleichzeitig geringer Flexibilität, wenn sich Teamgrößen oder Arbeitsweisen ändern.
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Wer sich dennoch für Zellen entscheidet, sollte zwei Dinge aktiv gestalten statt sie dem Zufall zu überlassen:
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  1. Gezielte Begegnungspunkte außerhalb der Zellen schaffen, wie etwa gut platzierte Teeküchen oder Kopierstationen mit atmosphärischer Qualität. Damit der spontane Austausch nicht komplett verloren geht.
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  2. Die Akustik nicht für gelöst halten, nur weil Wände stehen. Schon im Zweierbüro entscheidet die Sprachverständlichkeit zwischen den beiden Kolleg:innen über die tatsächliche Konzentrationsleistung, nicht die Wand zur Nachbarzelle. Eine dänische Studie mit über 2.400 Beschäftigten fand für Zweierbüros bereits 50 % mehr Krankheitstage als in Einzelbüros (Pejtersen et al., 2011, Scandinavian Journal of Work, Environment & Health)
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Für wen eignet sich der Typ Zellenbüro?
Arbeitsweisen mit gesteigertem Vertraulichkeitsbedarf, wie etwa Kanzleien, Personalabteilungen oder Beratungen mit sensiblen Kundengesprächen.

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Das Großraumbüro – die teuerste Antwort auf die falsche Frage

Offene Sichtachsen, eine hohe Dichte an Schreibtischen, kaum visuelle oder akustische Barrieren zwischen Teams. Das Großraumbüro wird meist mit dem Versprechen verkauft, es fördere Austausch und Zusammenarbeit.

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Die Forschung zeichnet allerdings ein anderes Bild. Die Harvard-Organisationsforscher Ethan Bernstein und Stephen Turban haben 2018 in einer viel zitierten Studie zwei Fortune-500-Unternehmen begleitet, die von Zellenbüros auf offene Großraumstrukturen umgestellt haben. Mit dem erklärten Ziel, mehr persönlichen Austausch zu erzeugen und gemessen wurde genau das Gegenteil. Die direkte Interaktion von Angesicht zu Angesicht sank um rund 70 %, während die Kommunikation per E-Mail und Messenger entsprechend zunahm.

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Der Grund ist naheliegend und psychologisch tief in uns verankert, denn ohne Rückzugsort kompensieren Menschen die fehlende Privatsphäre, indem sie sich digital statt persönlich abstimmen und sich hinter Kopfhörern isolieren. Genau die spontane Kommunikation, für die der Raum eigentlich geöffnet wurde, verschwindet zuerst.
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Zur Ernüchterung kommt der finanzielle Aspekt.
Wird die Akustik nicht von Anfang an professionell mitgeplant, wird das Großraumbüro schnell zur teuersten Variante im Portfolio: durch Konzentrationsverluste, erhöhten Stress und im schlimmsten Fall mehr Krankheitstage. Die bereits erwähnte dänische Studie fand für Großraumbüros mit mehr als sechs Personen sogar 62 % mehr Krankheitstage als in Einzelbüros (Pejtersen et al., 2011).
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Der größte Irrglaube in der Büroplanung lautet dabei, ein gutes Büro müsse einfach nur leise sein. Tatsächlich ist nicht die Lautstärke das entscheidende Kriterium, sondern die bereits erklärte Sprachverständlichkeit. Leichte Hintergrundgeräusche sind oft weniger störend als das klassische zweier-Büro, in dem jedes gesprochene Wort mühelos zu verstehen ist und damit jede Konzentration unterbricht. Der reflexartige Griff zu möglichst viel Schallabsorption führt in die Problem Richtung, dem beklemmenden »Tonstudio-Effekt«.
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Gefragt ist ein ausbalanciertes Verhältnis aus Absorption und Reflexion, gezielt abgestimmt auf die jeweilige Störschallquelle, denn eine tiefe Männerstimme im Videocall verhält sich akustisch völlig anders als klapperndes Geschirr in der Kantine. Beides braucht eine eigene Lösung statt des Standard-Absorbers in Form von grauen Filz-Elementen.
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Für wen eignet sich der Typ Großraumbüro?
In der Praxis kaum für jemanden ohne erhebliche Zusatzinvestition in professionelle Akustikplanung und klare Zonierung. Ein reines Großraumbüro ohne diese Investition lässt sich schwer empfehlen.
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Der Multispace – der Versuch, jeder Aufgabe einen Ort zu geben

Der Multispace gliedert die Fläche in unterschiedliche Areale je nach Tätigkeit statt einer einzigen Raumlogik zu folgen. So entstehen Fokusräume, Kollaborationszonen, informelle Treffpunkte und Rückzugsorte jeder Art.
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Das Prinzip dahinter, heute meist »Activity-Based Working« genannt, ist keine neue Modeerscheinung. Der niederländische Berater Erik Veldhoen setzte dies bereits 1995 beim Versicherer Interpolis in den Niederlanden um und schuf damit eines der ersten konsequent aktivitätsbasierten Bürokonzepte überhaupt. Spätere Projekte wie »The Edge« von Deloitte in Amsterdam haben den Ansatz weiterentwickelt und international zum Referenzmodell für moderne, hybride Arbeitswelten gemacht.


Der Vorteil liegt in der Flexibilität, denn Kaum ein Arbeitstag besteht ausschließlich aus einer Tätigkeitsart. Der Multispace wird dieser Realität gerecht, statt sie zu ignorieren. Er integriert das Homeoffice zudem als Teil einer durchdachten Gesamtstrategie, nicht als Konkurrenz zum Büro.


Der Nachteil ist ebenso real. Ein Multispace funktioniert nur mit durchdachtem Change-Management und klaren Verhaltensregeln, im Sinne von wo gilt Ruhe, wo ist Austausch erwünscht, wer nutzt welchen Bereich wann. Fehlen diese Regeln oder wird zu wenig Fläche für echte Rückzugsorte eingeplant, verfällt der Multispace schleichend in die gleiche unstrukturierte Dynamik wie ein reines Großraumbüro, nur mit besserem Marketing.
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Ein Detail wird dabei häufig übersehen.
Die wertvollsten Ideen entstehen oft nicht im offiziellen Termin selbst, sondern direkt danach, im informellen Nachgespräch auf dem Weg zurück an den Platz. Wer dafür keine ansprechenden Zonen einplant, verschenkt einen der größten Vorteile physischer Präsenz.
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Für wen eignet sich der Typ Multispace?
Organisationen, die hybrides Arbeiten ernst nehmen und bereit sind, in Kultur und klare Regeln zu investieren, und nicht nur in neue Möbel.
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Der ehrliche Vergleich

Keine der drei Typologien ist per se die richtige.
Die Zellenstruktur schützt Vertraulichkeit auf Kosten von Fläche und Austausch.
Das Großraumbüro verspricht Effizienz und liefert in der Praxis oft das Gegenteil, wenn die Akustik nicht mitgedacht wird. Der Multispace ist die flexibelste, aber auch anspruchsvollste Lösung, weil sie ohne begleitende Kultur nicht funktioniert.
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In der Praxis kombinieren die meisten funktionierenden Büros ohnehin Elemente aus allen drei Modellen, in Form von einzelne Zellen für vertrauliche Gespräche, offenere Zonen für Zusammenarbeit, klar definierte Fokusbereiche für konzentriertes Arbeiten.

Die eigentliche Aufgabe ist also nicht, sich für eine einzige Typologie zu entscheiden, sondern die richtige Mischung für das eigene Unternehmen und deren Tätigkeiten zu finden.
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Wie wir das bei wow tomorrow angehen

Bevor wir bei einem Projekt über Zellen, Großraum oder Multispace sprechen, steht die Frage, welche Aufgabe das Büro für ein Unternehmen tatsächlich erledigen soll. Mit unserer wpi-Befragung (workspace performance insights) und ergänzenden Workshops ermitteln wir, für welche Tätigkeiten Ihre Mitarbeitenden tatsächlich ins Büro kommen und wo die bestehende Struktur sie eher behindert.

Erst aus dieser Datengrundlage leiten wir ab, welche Mischung aus Zellen, offenen Zonen und Multispace-Elementen zur tatsächlichen Arbeitsweise passt, statt eine Typologie aus dem Katalog zu übernehmen.
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Das Wichtigste in Kürze

Welche Bürotypologie ist die beste?

Keine grundsätzlich. Jede Typologie ist die räumliche Antwort auf eine bestimmte Art zu arbeiten. Die passende Wahl hängt davon ab, welchen Job das Büro für Ihr Unternehmen erledigen soll – nicht vom aktuellen Trend.
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Was ist der größte Denkfehler beim Großraumbüro?

Die Annahme, offene Fläche erzeuge automatisch mehr Austausch. Studien zeigen das Gegenteil: Ohne Rückzugsmöglichkeiten weichen Menschen auf digitale statt persönliche Kommunikation aus.
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Ist ein leises Büro automatisch ein gutes Büro?

Nein. Entscheidend ist nicht die Lautstärke, sondern die Sprachverständlichkeit. Zu viel Schallabsorption führt zum unangenehmen »Tonstudio-Effekt«, zu wenig zu Konzentrationsstörungen durch verständliche Gespräche in der Nähe.
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Muss ich mich für eine einzige Typologie entscheiden?

Nein. Die meisten gut funktionierenden Büros kombinieren Elemente aus allen drei Modellen, abgestimmt auf die tatsächlichen Tätigkeiten im Unternehmen.
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Was ist das »Meeting after the Meeting«, und warum braucht es dafür Fläche?

Die wertvollsten Ideen entstehen oft im informellen Nachgespräch direkt nach einem Termin. Fehlt dafür ein passender Ort, geht dieser Effekt verloren – ein häufig unterschätzter Vorteil physischer Präsenz.

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