
Warum ›zurück ins Büro‹ die falsche Frage ist.
Anfang 2025 führte SAP eine neue Präsenzpflicht ein: mindestens drei Tage pro Woche im Büro, ab Juni maximal zwei Tage Homeoffice. Der Betriebsrat reagierte scharf, in einem internen Schreiben an die Geschäftsführung hieß es, von der WirtschaftsWoche zitiert:
"SAP, wie wir es kannten, ist vorbei.
— Betriebsrat SAP, internes Schreiben an die Geschäftsführung, zitiert nach WirtschaftsWoche, 2025
Es kam zum offenen Konflikt, der Betriebsrat zog vor das Arbeitsgericht Mannheim, wo sich beide Seiten Anfang 2026 auf einen Vergleich einigten. SAP ist kein Einzelfall: 29 der 51 größten deutschen Konzerne haben laut einer Handelsblatt-Umfrage inzwischen feste Präsenztage eingeführt, auch die Deutsche Bank, Otto oder VW gehören dazu, in den USA sorgte Amazon mit seiner Fünf-Tage-Pflicht ab 2025 für ähnliche Schlagzeilen.
Neu ist diese Debatte allerdings nicht, sie ist nur wieder lauter geworden. Bereits 2013, sieben Jahre vor Corona, sorgte ein fast wortgleiches Memo von Yahoo-CEO Marissa Mayer für Aufsehen, mit demselben Argument: im Homeoffice würden Tempo und Qualität leiden. "Zurück ins Büro" ist also keine Corona-Nachwirkung, sondern eine Frage, die Unternehmen offenbar seit über einem Jahrzehnt falsch stellen, nicht "Wofür brauchen wir das Büro?", sondern "Wie bekommen wir alle zurück?"
Genau diese Verwechslung begegnet uns bis heute, in fast jedem Unternehmen, das über seine Büropolitik nachdenkt.
Zwei Haltungen, eine offene Frage.
Der SAP-Konflikt zeigt die eine Seite: Präsenz durchsetzen. Andere Unternehmen schlagen einen anderen Ton an. Cisco-CEO Chuck Robbins brachte die Gegenposition 2023 so auf den Punkt:
"The office needs to be a magnet, not a mandate."
— Chuck Robbins, CEO Cisco, Cisco Newsroom, Oktober 2023
Anwesenheit erzwingen oder Anwesenheit verdienen, das sind die beiden Pole der Debatte, egal ob bei SAP, Amazon oder Yahoo. Und genau das ist das eigentliche Problem: Keiner der beiden Pole beantwortet die Frage, die zuerst geklärt werden müsste.
Anwesenheit ist kein Ziel, sondern eine Kennzahl.
"Wie viele Tage sollen unsere Leute im Büro sein?" ist eine bequeme Frage, weil sie sich leicht in eine Zahl übersetzen lässt: drei Tage, vier Tage, 60 Prozent Auslastung. Genau das macht sie so verlockend und genauso tückisch. Anwesenheit ist keine Zielgröße, sie ist eine Kennzahl, die etwas anderes messen soll, nämlich ob im Büro Dinge passieren, die woanders nicht passieren. Wenn ein Unternehmen eine Anwesenheitsquote festlegt, ohne vorher zu klären, wofür diese Anwesenheit eigentlich gut sein soll, optimiert es auf die Kennzahl statt auf das Ziel. Das Ergebnis kennen viele Personalabteilungen: volle Statistiken, aber Schreibtische, an denen Menschen mit Kopfhörern das Gleiche tun wie zu Hause, nur mit längerem Anfahrtsweg.
Die bessere Frage: Welche Tätigkeit gehört ins Büro?
Statt "Wie viele Tage?" lautet die produktivere Frage: "Welche Tätigkeit gehört überhaupt in dieses Büro?" Konzentrierte Einzelarbeit lässt sich oft ortsunabhängig erledigen. Abstimmung, informeller Austausch, Onboarding neuer Kolleg:innen oder kreative Teamarbeit hingegen profitieren nachweislich von physischer Nähe. Sobald ein Unternehmen diese Unterscheidung trifft, verschwindet die Anwesenheitsdebatte fast von selbst, denn die Antwort ergibt sich aus der Tätigkeit, nicht aus einer pauschalen Vorgabe.
Das Büro als Antwort,
nicht als Vorgabe!
Ein Büro, das niemand vermisst, wenn es weg wäre, lässt sich nicht durch eine Anwesenheitspflicht retten, es lässt sich nur reparieren. Menschen kommen freiwillig dorthin, wo etwas passiert, das sie woanders nicht bekommen:
echte Konzentration, echte Begegnung, echte Zugehörigkeit zu einem Ort und einer Kultur. Genau das meinte Robbins mit "Magnet statt Mandat": Ein Büro, das diese Fragen beantwortet, braucht keine Quote. Ein Büro, das sie nicht beantwortet, wird auch mit Quote nur widerwillig genutzt, mit allen bekannten Folgen für Stimmung und Fluktuation.
Von der Theorie zur Praxis
Bei wow tomorrow stellen wir Unternehmen deshalb konsequent eine andere Frage als die nach der Rückkehrquote:
„Wofür braucht Ihr Unternehmen eigentlich noch ein Büro?"
Mit unserer WPI-Befragung (Workplace Performance Index) machen wir diese Frage messbar: Statt vorab eine Anwesenheitsquote festzulegen, ermitteln wir datenbasiert, welche Tätigkeiten das Büro heute unterstützt, welche es blockiert und welche komplett fehlen.
Häufige Fragen zur Rückkehr ins Büro
Ist die "Zurück ins Büro"-Debatte nur eine Folge von Corona?
Nein. Bereits 2013, sieben Jahre vor der Pandemie, verschickte Yahoo-CEO Marissa Mayer ein Memo mit nahezu identischer Begründung wie heutige Präsenzpflichten, etwa bei SAP oder Amazon. Corona hat die Debatte sichtbarer und dringlicher gemacht, ausgelöst hat sie sie nicht.
Warum scheitern viele "Zurück ins Büro"-Initiativen?
Weil sie eine Anwesenheitsquote vorgeben, ohne vorher zu klären, welchen Zweck die Anwesenheit erfüllen soll. Ohne diesen Zweck erleben Mitarbeitende die Vorgabe als Kontrolle statt als sinnvolle Maßnahme, was Widerstand und stille Verweigerung begünstigt.
Welche Frage sollten Unternehmen stattdessen stellen?
Statt "Wie viele Tage sollen unsere Leute ins Büro?" lautet die produktivere Frage: "Welche Tätigkeiten brauchen physische Nähe, und schafft unser Büro dafür die richtigen Bedingungen?" Aus der Antwort ergibt sich die passende Präsenzstrategie von selbst.
Wie findet man heraus, wofür das eigene Büro tatsächlich gebraucht wird?
Durch eine datenbasierte Bestandsaufnahme wie unsere WPI-Befragung. Sie zeigt, welche Räume genutzt und welche gemieden werden, und liefert damit die Grundlage für eine Präsenzstrategie, die auf Fakten statt auf Vermutungen beruht.
Sind Sie bereit, die richtige Frage zu stellen?
Nicht "Wie bekommen wir alle zurück?", sondern "Wofür brauchen wir das Büro überhaupt noch?" Vereinbaren Sie ein erstes Gespräch mit uns und lassen Sie uns diese Frage gemeinsam beantworten, bevor Sie über Quoten entscheiden.
